Reisebericht Kungsleden ’09

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Busbahnhof in Murjek

Busbahnhof in Murjek

Wie bunte Farbtupfer spuckt uns der graue Reisebus mit ungefähr zehn anderen Wanderern in die Landschaft. Nachdem unsere Rucksäcke aus dem Gepäckfach befördert wurden setzt der Busfahrer nach einen kurzen Winken sein Gefährt wieder in Bewegung und verschwindet im dichten Nebel. Nach einer kurzen Drehung um die eigene Achse stellen wir schnell fest, dass der Ort Kvikkjokk der nach über 36 stündiger Anreise der eigentliche Start unserer Reise sein soll, nicht mehr als eine Ansammlung von ein paar Häusern ist. Dennoch markiert er den letzten motorisiert erreichbaren Außenposten der Zivilisation für uns. Schnell wird uns klar, dass uns nichts anderes übrig bleibt als unsere Wanderung sofort hier zu starten. Ein großer Wegweiser weist zu den Startpunkten verschiedener Weitwanderwege. Wir folgen dem Schild Richtung Kungsleden – dem Königsweg. Unsere Erwartungen an diese Wanderung im nördlichen Lappland sind immens. Wir versprechen uns einmalige Naturerlebnisse, unendliche Weite und totale Abgeschiedenheit. Dabei verdrängen wir natürlich der Kungsleden gerade wegen seiner Schönheit ein eher viel bewanderter Weg ist und es mit der Einsamkeit nicht immer wie erwartet funktionieren würde. Selbige stellte sich allerdings noch vor dem eigentlichen betreten des Kungsledens erstmal schlagartig ein, nämlich als wir feststellen, daß die anderen Wanderer aus dem Bus sich alle auf andere Wanderwege verteilen.

Die erste Etappe führt hauptsächlich durch Wald

Die erste Etappe führt hauptsächlich durch Wald

So durchlaufen wir gegen Mittag ganz alleine das Eingangstor und nach ein paar Fotos befinden wir uns sofort mitten auf dem Weg. Das ganze geschieht fast etwas zu unspektakulär und der Wanderalltag stellt sich schlagartig ein. Nach den ersten Kilometern müssen wir zu unserer Enttäuschung feststellen, dass sich der Weg bisher nur durch Wald und Wiesen schlängelt und von wildromantischen Berglandschaften und kristallklaren Flüssen bisher nichts zu sehen ist. Durch den dichten Nebel waren nicht einmal die Berggipfel zu sehen. Ein Blick auf die Karte verrät uns allerdings das sie da sein mussten. Gegen Abend erreichen wir die erste Hütte auf unserem Weg und beschließen hier an der Parte Stugan auch unsere Zelte aufzubauen. Ein erstes Highlight bot sich uns als am späten Abend der Himmel etwas aufklarte und den Blick über einen großen See nebst die ihn umgebenden kahlen Gipfel freigab – ein großartiges Panorama. Als sich schließlich noch erste Sonnenstrahlen zeigten waren wir trotz unzähliger Mücken nicht von einem Bad in dem eiskalten See abzuhalten.

Die Parte-Stugan

Die Parte-Stugan

Die erste Nacht im Zelt war verglichen mit den vergangenen zwei Nächten im Gruppenabteil eines Schlafwagens eine wirkliche Wohltat. Unsere Daunenschlafsäcke waren kuschelig weich und unser Zelt trotzte dem einsetzenden Dauerregen. Pünktlich zum Aufstehen hörte der Regen auf und nach einer vorportionierten Ration Müsli nebst Milchpulver zum Frühstück kam sogar die Sonne raus. Schnell waren unsere Sachen in den Rucksäcken verstaut und wir wieder auf dem Kungsleden unterwegs. Nach weiteren Kilometern durch ein Waldgebiet ging es endlich spürbar Bergauf und ein Blick auf die Karte versprach das baldige überschreiten der Baumgrenze auf 700 Metern Höhe. Mit dem Wegfall der Bäume sollten sich nicht nur die erhofften Ausblicke und Fotomotive einstellen, sondern auch die zunehmende Mückenplage schlagartig ein Ende haben.

Eingang in den Sarek Nationalpark

Eingang in den Sarek Nationalpark


Zusätzlich belohnt wurden wir mit einem sich stetig verbessernden Wetter, das nach kurzer Zeit schon das Laufen in kurzer Hose und Tshirt erlaubte. Die Stimmung konnte nicht besser sein, auch wenn unsere Beine und Schultern sich erst noch an das andauernde Laufen und die schweren Rucksäcke gewöhnen mussten. Nach einem einstündigen Aufstieg hatten wir schließlich den höchsten Punkt der Etappe erreicht und würden uns von nun an im Kahlfjäll zwischen den uns umgebenden Gipfel schlängeln. Vor lauter Übermut habe ich, zum Unverständnis meiner erschöpften Mitwanderer, eine kleine Extratour eingelegt und den erst besten Gipfel bestiegen. Von hier aus bot sich ein beeindruckender Ausblick auf eine im Tal liegende Wasserlandschaft aus unzähligen Seen und Flüssen die durch das mitgerissene Sediment in unterschiedlichen Farbtönen die Landschaft schnitten. Genau solche Panoramen hatte ich mir erhofft und das Auslösegeräusch meiner Kamera störte die ansonsten perfekte Stille. Am späten Nachmittag ging es dann schließlich wieder merklich bergab und nach einiger Zeit konnten wir schon wieder die ersten Bäume sehen und kurz darauf kam dann auch das vertraute Summen der Moskitos dazu.
Ausblick vom ersten Gipfel der Tour

Ausblick vom ersten Gipfel der Tour

Bevor wir endgültig die Hütte Aktse erreichten, versperrte uns erstmal ein großer See den Weg und wir mussten unsere Reise per Ruderboot fortsetzen. Solche Ruderboote finden sich an allen Gewässern die nicht umlaufen werden können und sind von den Wanderern kostenlos zu benutzen. Es muss lediglich sicher gestellt werden, dass immer mindestens ein Boot an jedem Ufer verbleibt. Im Zweifellfall bedeutet dies also die Strecke dreimal zu Rudern. Wir hatten jedoch Glück und fanden zwei Boote vor, so dass wir nach einer halben Stunde des Ruderns über spiegelglattes und kristallklares Wasser das andere Ufer erreichten. Von hier aus führte dann ein 900 Meter langer Bohlenweg zur Hütte Aktse. Bevor wir allerdings unsere Rucksäcke wieder schulterten, sprangen wir noch aus den durchgeschwitzten Klamotten raus und in das eisige Nass hinein. Nach dieser willkommenen Erfrischung haben wir rasch unser Zelt vor der Hütte aufgebaut, um dann mit unseren Kochutensilien bewaffnet in die Hütte zu flüchten. Die Mückenplage nahm rund um die Hütte gigantische Ausmaße an. Nach einer reichhaltigen Mahlzeit aus Travellunch und frischem Seewasser breiteten wir unsere Karten aus und machten uns an die Planung der nächsten Etappe. Als Option bot sich in Aktse an, eine zweite Übernachtung am selben Ort einzuschieben und am nächsten Tag statt weiterzuwandern, nur mit leichtem Tagesgepäck den Gipfel des Nahen Skierffe zu besteigen. Um im Zeitplan zu bleiben vereinbarten wir deshalb die nächste gewanderte Etappe auf über 35 Kilometer zu verlängern und gleich von Aktse bis Saltuluokta durch zu laufen.

Bergpanorama bei der Überfahrt zur Hütte Aktse

Bergpanorama bei der Überfahrt zur Hütte Aktse

Bevor wir uns aber über die Tragweite dieser Entscheidung bewusst wurden, stand am nächsten Morgen erstmal der Skierffe auf dem Programm. Leider bremste der bedeckte Himmel und das leicht regnerische Wetter unsere Vorfreude auf einmalige Ausblicke vom Gipfel aus. Wenige Meter hinter der Hütte Aktse folgte ein sehr steiler und recht langgezogener Aufstieg. Die Mücken ließen uns keine andere Wahl, als den Aufstieg in voller Montur zu bestreiten. Auf ca. 600 m angekommen waren wir dementsprechend durchgeschwitzt und verließen an einem kleinen Wegweiser den Kungsleden in Richtung Skierffe. Der Trampelpfad bewegte sich entlang der Baumgrenze in Richtung eines Bergkammes den es vor dem eigentlichen Aufstieg noch zu überwinden galt. Zu allem Überfluss fing es nun auch noch an zu regnen und der Pfad verwandelte sich binnen kurzer Zeit in eine Loipe aus Schlamm. Als wir auf dem Bergkamm angekommen waren hörte der Regen endlich auf und die Wolkendecke begann sich zu lichten. Wenige Minuten später zogen wir uns Jacken und Regenhosen aus und setzten unseren Weg nach unten, zum Fuße des Skierffes, in kurzer Hose und Tshirt fort – von Mücken keine Spur. Ab hier gab es keinen Weg mehr und so wählten wir für die letzten Kilometer einen kleinen Schlenker über ein paar Schneefelder und einen kleinen Bach. Hier blühten ein paar Bunte Blumen und das klare kalte Wasser bot eine herrliche Erfrischung vor dem nun folgenden eigentlichen Aufstieg.

Ausblick vom Skierffe in das Rapadalen
Vom Skierffe geht es 700m steil nach unten
Flüsse und Seen durchschneiden das Grün der Landschaft

Ausblick vom Skierffe in das Rapadalen

Nach etwa einer Stunde über grobes Geröll und spitze Felsen kletternd, erreichten wir gegen Mittag bei bestem Wetter und prallem Sonnenschein gut gelaunt den Gipfel des Skierffes. Sofort strebten wir in Richtung Kante, wo uns der sich hier bietende Ausblick für Minuten die Stimme verschlug. 700 Meter unter uns lag das Rapadalen – das Tal der Täler. Ein riesiges Flußdelta mit verschieden farbigen Flußläufen und Tümpeln, eingebettet in eine grüne Oase, inmitten der kargen Felslandschaft. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein. Unsere Kameras klicken im Sekundentakt und wir versuchen dieses Naturwunder von aus allen erdenklichen Blickwinkeln und Perspektiven einzufangen, wohl wissend das dieses Unterfangen wohl zum Scheitern verurteilt sein würde. Einige Stunden und eine zünftige Brotzeit mit Salami und Hartkeksen später, machten wir uns langsam auf den Rückweg der schweigend zum ersten Verarbeiten der soeben gemachten Eindrücke genutzt wurde. Spätestens beim Abstieg zur Hütte Aktse holten uns die aufkommenden Mückenschwärme dann doch wieder in den Wanderalltag zurück.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem schnellen Frühstück in aller Frühe weiter. Der steile Aufstieg der am Vortag noch ohne Gepäck zu bewältigen war musste diesmal mit Gepäck und im Morgengrauen – was zu dieser Jahreszeit an sich hätte heller Tag sein sollen, aber durch den dichten Nebel tatsächlich wie Morgengrauen aussah – bewältigt werden. Nur die Mücken waren die selben wie zuvor. Am Abzweiger zum Skierffe angekommen konnte man vor lauter Nebel weder den Berg noch das Tal sehen und wir kamen uns vor wie in einer Käseglocke voller Nässe und Steine. Nach einigen Stunden des durch den Nebel Wanderns erreichten wir den höchsten Punkt der Etappe und der Nebel ließ etwas nach. Die Landschaft präsentierte sich hier deutlich rauher und karger als die Tage zuvor. Alle Nase lang wechselten sich nun flache Gebirgsseen und größere Restschneefelder ab, bis am späten Vormittag der erste Abstieg folgt. Am Situjaure angekommen erwartete uns die längste und anstrengendste Bootsfahrt der Tour. Über vier Kilometer geht es einen kurvigen Kurs über den See und bereits nach einigen Minuten ging ein eiskalter Regenschauer über uns nieder, der erst am anderen Ufer an der Hütte aufhören sollte. Die Hütte war, wie für die Mittagszeit auch nicht anders zu erwarten, komplett verlassen und so gab es für uns auch keinen Grund sich hier länger aufzuhalten. Direkt nach der Hütte erwartete uns der nächste Aufstieg der durch die nun aufreissende Wolkendecke und den daraus resultierenden Sonnenschein zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wurde.

Das Fjäll zeigt sich von seiner schönsten Seite

Das Fjäll zeigt sich von seiner schönsten Seite


Der Kungsleden führt von hier an über ein schnurgerades Plateau welches links und rechts durch vereinzelte Tafelberge flankiert wird. Zum ersten mal fühlen wir die viel beschriebene Weite und Einsamkeit dieser Landschaft. Außer uns und den Bergen sehen wir den Rest des Tages über keine Menschenseele, dafür bietet sich ein Bergpanorama nach dem anderen und unsere Kameras laufen wiedermal auf Hochtouren. Nach 25 Kilometern Wandern stellte sich jedoch schließlich auch ein anderes nicht minder beeindruckendes Gefühl ein: unsere Füße fangen langsam an zu schmerzen und wir brauchen beinahe stündlich kurze Verschnaufpausen. Gegen 20 Uhr erreichen wir endlich eine steile Kante und blicken herunter auf den See Stora Lulevatten – oder ist es ein Fluss? An dessen Ufer bauen wir endlich nahe der Hütte Slatuluokta gegen 22 Uhr unser Zelt auf und genießen nach sechs Tagen endlich mal wieder die Annehmlichkeiten der Zivilisation: Eine warme Dusche und eine Sauna! Nachhaltig beeindruckt haben uns dort auch die elektrischen Schuhtrockenmaschinen, die warme Luft über einen dicken Schlauch in die durchnässten Wanderschuhe blasen – jedoch nicht ohne dabei intensive Gerüche nach außen zu befördern.

Mit dem Boot geht es ans andere Ufer

Mit dem Boot geht es ans andere Ufer

Nach einer kurzen Bootsfahrt mit dem Motorboot (selber Rudern ist hier nicht möglich) und einer anschließenden Busfahrt nach Vakkotavare, geht es am nächsten Morgen im Stora Sjöfallet Nationalpark mit einem knackigen und langezogenen Aufstieg weiter. Hier treffen wir tatsächlich sogar mal einige Menschen, die uns allerdings entgegenkommen und nach einem kurzen “Hej, hej” auch wieder aus dem Sichtfeld verschwinden. Unter ihnen ist aus ein Mann der uns im kurzen Sportklamotten inkl. Turnschuhen entgegengeflitzt kommt. Nach einem kurzen Pläuschchen stellt sich heraus das er der Hüttenwart der 15 Kilometer entfernten Teusajaure ist und kurz etwas einkaufen will. Er verspricht aber gegen späten Nachmittag wieder zurück zu sein und uns dann mit dem Motorboot zu seiner Hütte überzusetzen. Nach wunderschönen Kilometern durch das Fjäll, umgeben von schneebedeckten Gipfeln kreuzt der Weg einen größeren Bach der zwar nicht tief aber ziemlich breit und sehr schnellfließend ist. Zwar gibt es eine Brücke – deren Benutzung bedeutet aber mindestens einen Umweg von zwei Kilometern und einige Höhenmeter extra. Also kämpfen wir uns von Stein zu Stein und treten so einige Male mit den Trekkingstiefeln ins kalte Wasser. Jedoch halten die Schuhe was ihre Hersteller versprochen haben und wir erreichen nach einigen schreckhaften Momenten und unfreiwilligen Rutschpartien trockenen Fußes das andere Ufer.

Die Hütte Tesajaure

Die Hütte Tesajaure


Gegen 17 Uhr schließlich erreichen wir den See Teusajaure. Da vom Hüttenwart weit und breit nichts zu sehen ist, nehmen wir das dort liegende Ruderboot und setzen die kurze Strecke wie gewohnt per Hand über. Zu unserem Pech befindet sich kein weiteres Boot an unserem Ufer und wir stellen uns darauf ein die Strecke dreimal zu rudern. Das Glück war uns jedoch hold und kurz vor dem Anlegen am anderen Ufer setzte sich eine kleine Reisegruppe von dort mittels Ruderboot in Bewegung. Da wir noch guter Dinge waren und unsere Kondition auch noch nicht ausgeschöpft zu sein schien, ließen wir die Hütte schnell hinter uns und beschlossen weiter in Richtung Kaitumjaure zu wandern. Der Weg zog sich jedoch, wenn auch durch herrliche Landschaft und bei bestem Wetter, unerwartet stark in die Länge und wir brauchten deutlich länger als geplant. Gegen 22 Uhr war es immer noch ein gutes Stück bis zur Kaitumjaure und unsere Füsse waren wieder deutlich zu spüren. Warum wir wir hier nicht einfach unser Zelt aufgeschlagen haben und trotzdem bis zur Kaitumjaure weiter marschierten lässt sich im Nachhinein nicht wirklich rekonstruieren. Zumal wir alles Notwendige im Rucksack hatten und in keinster Weise auf die Hütte angewiesen waren. Nicht desto trotz wanderten wir noch an einem reißenden Fluß mit einigen beeindruckenden Wasserfällen entlang und erreichten gegen 23 Uhr die Hütte, die wir nicht einmal mehr betreten haben.

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Wildwasser in schönsten Farben

Der nächste Tag sollte der letzte auf dem Kungsleden sein und wir wollten gegen Abend die Kebnekaise Fjällstation erreichen. Dazu wanderten wir recht früh am Morgen los und haben uns trotz GPS und Karte erst einmal verlaufen. Sowohl auf der Karte und im GPS war nämlich nur der Winterweg eingezeichnet der um diese Jahreszeit allerdings durch ein Moor führt und nicht wirklich zu passieren ist. Durch diesen Irrtum wanderten wir jedoch einige Zeit an dem selben Fluß entlang, den wir schon am Abend davor bewundert hatten und entdeckten einige wunderschöne Stellen mit türkis farbigen Wasser und tobenden Wasserfällen. Wieder auf dem rechten Weg, ging es in drückender Sommerhitze den immer breiter werdenden Fluß entlang, bis wir kurz vor der Hütte Singi eine größere Mittagspause einlegten. Diese haben wir nicht nur zum Kochen genutzt, sondern statteten gleich noch dem Fluß und einem angrenzenden Bergsee einen Besuch ab. Der Bergsee zeigte sich im Gegensatz zum Fluß von seiner angenehmen Seite und lud zu einer Runde Schwimmen im nicht zu kalten Wasser ein. Auf diese Weise erfrischt bogen wir rechts vom Kungsleden ab um die Hütte Singi auszulassen und eine kleine Abkürzung Richtung Kebnekaise zu nehmen. Diese Abkürzung hatte jedoch erstmal den steilsten Aufstieg der ganzen Tour für uns parat und führte uns in tausend Meter Höhe zu einer gigantischen Aussicht an einem großen Gebirgssee. Schwer beeindruckt wurden die Trinkflaschen gefüllt und eine kurze Pause eingelegt, bevor es umgehend genauso steil wieder runter ging, wie es kurz zu vor noch nach oben ging. Der Abstieg führte uns langsam in ein schmales Tal welches von den hohen Bergen des Kebnekaisemassivs gebildet wurde. Leider schlug hier sehr plötzlich das Wetter um und ein richtiges Unwetter mit starkem Dauerregen setzte ein. So erreichten wir komplett verdreckt aber immerhin trocken unter unserer Regenkleidung gegen Abend die Fjällstation. Was sich uns hier bot, grenzte allerdings eher an Massentourismus als an Alpenromantik: Bereits einige hundert Meter vor der Station waren an jedem erdenklichen Platz Zelte aufgestellt und überall liefen Menschen herum. Die Station selber war komplett überfüllt und neben unzähligen Wanderern waren auch dutzende Familien mit Großeltern, Kindern und diversen Rollkoffern anzutreffen, die sich mit dem Hubschrauber einfliegen lassen haben. Milder stimmten uns erst die großzügen Sanitäranlagen inkl. Sauna und warmer Dusche sowie ein gigantischer Trockenraum nebst Waschküche. In sicherer Entfernung zum Trouble der Station bauten wir unser Zelt auf und fielen auch gleich hundemüde in unsere Schlafsäcke – schließlich wollten wir am nächsten Morgen noch den Kebnekaise besteigen.

Ein letztes Gebirgspanorama

Ein letztes Gebirgspanorama


Wie wir jedoch nach einer kurzen Nacht feststellen mussten, würde daraus an diesem Tag nichts werden, da das Wetter einfach zu schlecht war. Der dichte Nebel ließ nicht einmal erahnen wo der Kebnekaise sich versteckte und auch der angekündigte starke Regen ließ uns schnell von diesem Vorhaben Abstand gewinnen. Stattdessen machten wir uns in frischen Klamotten und schön ausgeruht gegen Nachmittag auf den Weg nach Nikaluokta wo wir unsere Tour beenden würden. Der Weg war hier deutlich leichter zu begehen als der Kungsleden und nach einigen Stunden erreichten wir, ohne die Abkürzung per Boot genommen zu haben, den berühmten “Lap Dånalds” Imbiss, wo wir uns erstmal mit einem Ren-Burger stärkten bevor wir gegen frühen Abend in Nikaluokta diese Reise beenden um in Richtung Lofoten aufzubrechen…

Abschließende Worte

Durch einen Ren-Burger gestärkt, endet die Tour in Nikaluokta

Durch einen Ren-Burger gestärkt...

Nach 15 Jahren Skandinavien bereisen, war der Kungsleden für mich definitiv einer der absoluten Höhepunkte. Die Landschaft war beeindruckender als ich sie mir vorgestellt habe und mit der Besteigung des Skierffes habe ich mir einen persönlichen Traum erfüllt. Sowohl mit dem Wetter als auch mit der Mückensituation hatten wir mehr als Glück, oder die von uns vorher gelesenen Berichte tragen hier etwas dick auf. Was ich auf jeden Fall überhaupt nicht nachvollziehen kann ist die oft gehörte Bezeichnung Wanderautobahn für den Kungsleden. Ausser an den Hütten haben wir kaum Menschen getroffen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, neben der einmaligen Landschaft auch Einsamkeit und Stille genossen zu haben, obwohl in der absoluten Hauptsaison unterwegs waren. Neben den gesammelten Eindrücken und Naturerlebnissen war ich auch mit meiner Ausrüstung mehr als zufrieden. Ausser einer Fleecejacke hab ich alle Ausrüstungsstücke benutzt und hatte nichts zu viel mit, andererseits habe ich auch nichts vermisst. Für Interessierte hier deshalb eine kurze Zusammenstellung:

... endet die Tour in Nikaluokta

... endet die Tour in Nikaluokta

  • Rucksack: GoLite Pinnacle (hat funktioniert, ein schwererer Rucksack mit besserem Komfort wäre aber angenehmer gewesen!)
  • Schlafsack: Yeti Fenrir 600 (Hab ihn keine Nacht zu gehabt, war aber gut etwas Reserve zu haben)
  • Zelt: TerraNova Laserlarge (Leicht und geräumig, leider lausig verarbeitet – hat aber gehalten)
  • Isomatte: Therm-A-Rest NeoAir (Die perfekte Matte: Leicht, minimales Packmaß und sau bequem)
  • Softshell: Northface Apex (Sehr leicht und recht winddicht, hatte ich immer an wenns nicht zu warm war)
  • Hardshell: Northface Stratosphere (Nicht ganz so leicht, dafür aber 100% dicht. War sehr zufrieden mit dem Teil!)
  • Fleecejacke: Northface TKA 100 (Nie angehabt)
  • Trekkinghose: Fjäll Raven Karl Zip (Keine Klagen, Zip Funktion oft genutzt)
  • Tshirts: 2 x Merino (Hatte immer eins von den beiden an. Stinken nicht!
  • Boxershorts: 2 x Merino (Bestens zufrieden)
  • Regenhose: Rei (Leicht, dicht, Atmungsaktivität war ok, aber nicht so gut wie bei der Jacke)
  • Socken: 1x northface, 1x X-Socks, 1x Meindl (Die Meindl waren mit Abstand die besten, von den teuren XSocks war ich enttäuscht)
  • Schuhe: Meindl Vakuum MFS GTX (Hab nie drin gesschwitzt und waren absolut dicht – was will man mehr?)
  • Latschen: Teva Flip-Flops (Flip-Flops halt. Leicht und bequem.)
  • Leichte Mütze und Handschuhe (Beides nie getragen, war für den Kebnekaise geplant
  • Kocher: Primus Micron nebst dem neuen Primus Windschutz (sehr leicht, ansonsten halt ein Kocher)
  • Geschirr: Berghaferl, Spork, Trangia Topf (minimalistisch aber hat gereicht)
  • Messer: Kleines Opinel (Ausser für die Salami nie gebraucht. Verstehe nicht das Gewese was manchmal über Messer gemacht wird)
  • GPS: Garmin extrex Vista hcx
  • Kamera: Canon EOS 40d nebst 10-20mm Weitwinkel (Ein Akku hat mit 1200 Bildern die ganze Tour gehalten!)
  • Nahrung: Müsli und Globelunch für 10 Tage, dazu 3 Salamis, Müsliriegel und Kekse (Hat mehr als gereicht)

Ausdrücklich nicht dabei hatte ich: lange Unterhose, langes Merino oder ähnliches, sowie eine Unterlage für das Zelt.

5 Kommentare zu „Reisebericht Kungsleden ’09“

  • Ailurus sagt:

    Hallo, und vielen Dank für deinen Bericht.

    Ich planne genau dasselbe im Sommer 2010 zu tun, du hilfs mir sehr viel !

    Thomas (aus Frankreich)

  • admin sagt:

    Freut mich zu hören. Wenn esFragen gibt, nur zu!

  • Oliver sagt:

    Hallo, klasse Bericht. Wir werden dieses Jahr wohl auch auf und am Kungsleden wandern. Allerdings wir er nur immer wieder Teil von 2-3 Tagesrundwanderungen.

    Auf jeden Fall hat mich Dein Bericht in meinem Vorhaben bestärkt. :-)

    Oliver

  • München sagt:

    Wundervolle Bilder!
    Danke für die Packliste – aber sag mal, was wiegt denn so eine Kamera?!
    Da ist der Rucksack ja gleich schon ganz schön schwer, oder?

  • admin sagt:

    So eine Kamera wiegt komplett mit Objektiv ca 1,5Kg. Ich hatte sie aber 90% der Tour in der Hand und nicht im Rucksack ;-)

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