Reisebericht Lofoten ’09

Blick auf den Hafen von Svolvaer.

Blick auf den Hafen von Svolvaer.

Nach unserer Tour auf dem Kungseleden sind wir sofort in den Zug gestiegen und über Kiruna nach Narvik gefahren. Das hat einen ganzen Tag gedauert und so haben wir direkt an der Strasse auf dem Campingplatz übernachtet – nicht ohne uns nach 8 Tagen Trekking-Lunsch mal eine ordentliche Malzeit in der Küche zuzubereiten. Am nächsten Morgen ging es dann bei leichtem Nieselregen mit dem bus direkt weiter nach Svolvär. Entgegen aller vorher eingeholten Informationen und dem ausliegenden Prospekt, wollte der Busfahrer unser Interrailticket nicht akzeptieren und wir mussten den vollen Preis zahlen.

Am frühen Nachmittag setzen wir bei wechselhaften Wetter und sehr kalten Wind den ersten Fuß auf die Lofoten. Svolvär ist schnell erkundet und bietet die übliche Infrastruktur Norwegischer Kleinstädte. Unsere Trekkingrucksäcke konnten wir dankenswerterweise in der Tourist-information einschließen, so das wir ohne Gepäck den Ort erkunden konnten. Zu unserer großen Freude haben wir – bevor wir uns wie geplant im Supermarkt mit Junkfood eingedeckt haben – einen sehr gut sortierten Outdoorladen gefunden. Der hatte zwar an sich schon zu da Samstag war, hat dann aber doch nochmal für uns auf gemacht und wir konnten uns mit 20 Portionen Real Turmat eindecken – 10€ das Stück. Nach dem wir im Einkaufszentrum noch ein paar Hamburger verdrückt haben sind wir wieder in Richtung Hafen und haben angefangen uns zu langweilen. In Svolvär gibt es keinen Campingplatz und die wenigen Buslinien fahren maximal zweimal pro Tag. Gerade als wir beschlossen haben die 6km bis zum nächsten Campingplatz zu laufen hat es auch noch angefangen zu regnen und wir haben uns nochmal umentschieden und die 90 Minuten bis zum nächsten Bus lesend im Terminal der Hurtigruten verbracht. Gegen Abend sind wir dann am Campingplatz in Kabelvag angekommen wo wir erstmal die Nacht verbringen wollten.

Blick vom Campingplatz in Kabelvag direkt auf den Vestfjord.

Blick vom Campingplatz in Kabelvag direkt auf den Vestfjord.

Der Campingplatz hat uns aber gleich so begeistert, dass wir kurzerhand entschlossen haben gleich zwei Nächte zu bleiben und am nächsten Tag erstmal ohne Gepäck in Ruhe die Umgebung zu erkunden. Noch am selben Abend sind wir nach dem Zeltaufbau auf einer separaten Wiese  noch ein Wenig auf den Felsen am Ufer langgeklettert und konnten so gleich ein paar der Ausblicke genießen auf die wir die ganze Zeit vor dem Urlaub gehofft hatten: Schroffe Felsen, weisse Strände und türkises klares Wasser!

Am nächsten Morgen schien schon früh die Sonne und der kalte Wind hatte sich auch in ein laues Lüftchen gewandelt. So beschlossen wir kurzerhand uns ein paar Seekajaks zu mieten. Der örtliche Anbieter wollte jedoch 75€ pro Kajak haben und hatte dafür nichtmal Neopren- geschweige denn Trockenanzüge im Programm. Das war uns dann erstens etwas zu teuer und zweitens – bei ca. 10 Grad Wassertemperatur – auch etwas zu Risikoreich. Wir haben uns dann am Campingplatz für 50€ ein Motorboot inkl. Benzin gegönnt. So sind wir ein paar Kilometer raus auf den Vestfjord gefahren und sind und haben an einsamen malerischen Buchten an Land gegangen. An einer besonders schönen dieser Buchten – mit weissem Strand – haben wir am frühen Nachmittag eine größere Rast gemacht und ein kleines Picknick zu uns genommen, Dabei setzte langsam die Ebbe ein und unser Boot lag bald mitten auf dem Strand. Nach einer Stunde wollten wir weiterfahren um tiefer in den benachbarten Fjord vorzustoßen. Leider hatten wir die Rechnung ohne das Boot gemacht. Dieses war nämlich so extrem schwer, dass es uns unmöglich war, dass Boot auch nur einen Zentimeter über den Strand zu schieben. Wir würden also hier die nächsten Stunden festsitzen! Zuerst tat das unser guten Laune keinen Abbruch und wir erkundeten zu Fuß die traumhaft schöne Umgebung und legten uns anschließend noch in die Sonne. Als wir nach drei Stunden immer noch ablaufendes Wasser hatten, schlug das dann doch etwas auf die Stimmung und wir konnten uns ausrechnen, dass wir ausser der halben Stunde zurück heute sicher nirgend wo mehr hinfahren würden. Irgendwann wurde uns dann sogar klar, dass wir es nichtmal zurück zum Bootsverleih bis zur vereinbarten Zeit schaffen würden. Also machte sich Kati irgendwann zu Fuss auf den Weg Richtung Kabelvag um wenigstens den Bootsverleiher zu beruhigen bevor er seinen Laden schliesst.

Eine kleine Bucht im Vestfjord.

Eine kleine Bucht im Vestfjord.

Gegen Abend war der Wasserstand dann endlich so hoch, dass das Boot anfing auf den Wellen zu tanzen. Also hab ich schnell die Sachen zusammengepackt und hab das Boot mit den Rudern ins offene Wasser gestakt um dort den Motor anzuwerfen. Hier tat sich aber sofort das nächste Problem auf: Der Motor wollte nicht anspringen. Nach einer weiteren Stunde und abmontierens sämtlicher Schläuche und Leitungen sprang der Motor dann irgendwann an und ich konnte Richtung Campingplatz starten. In der Zwischenzeit ist es ganz schön windig geworden und der kleine Motor hatte ganz schön mit der Strömung zu kämpfen. Leider hat er diesen Kampf verloren und ca fünf Kilometer vor dem Ziel meiner Reise fing ab einer Geschwindigkeit von 5km/h permanent der Gang an rauszuspringen. So tuckerte ich also mit 5 km/h auf dem Wasser, bei ca. 4km/h Gegenströmung meinem Ziel entgegen, was ich nach kaum zwei Stunden dann auch erreichte. Was für einer toller Tag auf dem Meer! Wenigstens hat uns der Verleiher dann wegen des Defektes noch die Miete erlassen und nicht wegen der Verspätung gemeckert.

Am nächsten Tag sind wir recht früh aufgebrochen um den Bus Richtung Reine auf der Südspitze der Lofoten zu erwischen. Am frühen Nachmittag sind wir dann auch nach einer sehr interessanten und an schönen Bildern reichen Busfahrt in Reine angekommen. Reine ist ein recht malerisches kleines Dorf das direkt um eine Bucht herum Gebaut ist. Es gibt einen kleinen Hafen, zwei Restaurants und einen Mini-Supermarkt. Nachdem wir uns in einem der kleinen Restaurants noch schnell einen Imbiss gegönnt haben, wollten wir an sich zu einer mehrtägigen Trekkingtour aufbrechen. nach 100 Metern haben wir jedoch einen Laden namens Reine Adventures entdeckt, der so eine Art Zentrale für Outdooraktivitäten zu sein schien. Vollgestopft mit Karten, Bücher und einem Beratungstresen. Hier haben wir der trekkingerfahrenen Niederländerin die dort im Sommer arbeitet erstmal ganz genau unsere Tourenplanung erklärt und diese sogleich von ihr fachmänisch um ein paar Details aufwerten lassen.

Blick auf Reine.

Blick auf Reine.

Gegen Nachmittag ging es also erstmal los Richtung Reinebringen, dem Hausberg von Reine. Von dort oben sollte es eine der grandiosesten Aussichten der ganzen Lofoten geben, die wir natürlich nicht verpassen wollten. Der Weg auf den Gipfel stellte sich jedoch als recht abenteuerlich heraus. Es gab keinen offiziellen Pfad, sondern nur einen komplett ungesicherten Trampelpfad mit extremer Steigung. Erschwerend hinzu kam, dass immer wieder kleinere und größere Felsbrocken von weiter oben den Hang hinunter geschossen kamen und und zum Teil recht mulmig dabei wurde. Nach zwei Dritteln des Aufstieges wurde der Weg so Steil, dass er mit unseren Trekkingrucksäcken absolut nicht mehr schaffbar war und wir beschlossen die Rucksäcke im Gebüsch abzulegen und ohne diese weiter in Richtung Gipfel zu klettern. Nach ca. einer Stunde erreichten wir diesen dann auch und Sachen Aussicht wurde uns definitiv nicht zuviel Versprochen. Man konnte direkt auf die Bucht herunterblicken und sah wie sich rund um Reine die Berge aus dem Wasser erheben und hinter ihnen der Westfjord die Lofoten vom Festland abtrennt. Einfach beeindruckend!

Nach dem nicht minder abenteuerlichen Abstieg nebst Wiederaufnahme unseres Gepäcks wollten wir ansich noch zu einer Hütte an einem See vorstoßen um dort zu Zelten. Leider eignen sich die Lofoten wegen ihrer Schroffheit nicht wirklich zum Wildcampen. Es gibt einfach kaum Orte an denen man ein Zelt vernünftig aufstellen kann, was wegen des starken Windes aber recht wichtig ist. Ein Geodät hätte hier sicher weiter geholfen. Also sind wir lieber ein Stück an der Küste entlanggewandert und haben schliesslich direkt am Meer in einer kleinen Mulde einen akzeptablen Platz für unser Zelt gefunden. In der Nacht fegte dann noch ein Sturm über uns hinweg, der uns wegen der Lautstärke die das Zelt im Wind veranstaltete kaum schlafen ließ.

Eine kleine Bucht auf den Lofoten.

In dieser Bucht setzte uns das Boot ab und wir starteten die erste größere Wanderung auf den Lofoten.

Die am Abend nicht mehr gelaufene Strecke machten wir am nächsten Morgen mit einem kleinem Boot wieder gut und waren so am Vormittag wieder auf der geplanten Strecke und im Zeitplan. Leider ging immer noch ein eisiger Wind und unsere Laune war zu diesem Zeitpunkt nicht die Beste. Erst nach Verlassen des Bootes und Erklimmen eines weiteren Berges besserte sich diese zusammen mit dem Wetter. Der Wind ließ zwar nicht nach, aber die Wolken verschwanden und die Sonne wärmte uns beim laufen. Gegen Mittag erreichten wir zum ersten mal das Ufer des offenen Polarmeeres – ein erhabenes Gefühl für uns! Leider konnten wir an diesem absolut einsamen und sehr schönen Strand nicht länger verweilen da der Wind hier so stark war, dass man kaum auf den Beinen bleiben konnte und er zusätzlich noch die Haut mit Flugsand malträtierte. So ging es weiter in Richtung Norden den nächsten Berg hinauf. Schon nach wenigen Metern des nun folgenden Aufstieges wurde uns klar, dass das gestrige Bezwingen des Reinebringens ein Kinderspiel gegen diesen Aufstieg werden würde. War die Steigung noch ungefähr gleich, war die die Bodenbeschaffenheit und die schiere Höhe des Berges hier noch einmal eine Stufe härter. Während mir 8 tage Kungsleden konstitutionsmäßig überhaupt nichts ausgemacht haben und auch der Reinebringen nur eine kleine sportliche Herausforderung war, musste ich für diesen Kraftakt meine Reserven mobilisieren und kam nach ca. 90 Minuten ziemlich fertig auf dem Gipfel an. Wie erwartet wurden wir jedoch erneut mit einer grandiosen Aussicht entschädigt und der weitere Verlauf unserer Route lag zudem noch im Windschatten des Berges, so das wir zum ersten mal auf den Lofoten unsere Jacken gegen T-Shirts tauschen konnten. nach einer leckeren Portion Real-Turmat ging es dann nach überschreiten eines schönen Passes an den Abstieg in ein kleines Tal mit einem großen See. Leder war auch hier kein geeigneter Zeltplatz zu finden, so dass wir den See noch umrundeten und schliesslich an einem Fjord an einem Waldrand einen schönen Lagerplatz gefunden haben.

Sandsturm am Polarmeerstrand.

Sandsturm am Polarmeerstrand.

Auch der nächste Morgen wartete mit einer weiteren Besserung des Wetters auf und wir schienen den Wind nun endgültig überwunden zu haben. Es wurde ein schöner warmer Sommertag und wir konnten in T-Shirt und kurzen Hosen unseren Weg Richtung Ramberg fortsetzen. Nach einigen Kilometern haben wir kurzzeitig das Gebirge verlassen und sind nach einem kurzen Stück Feldweg über ein paar Wiesen bis zu einem kleinen See gewandert. Dieser See bestach durch glasklares Wasser und eine spiegelglatte Oberfläche, die in uns den Wunsch nach einem Bad erweckte. Das kühle Nass machte dann seinem namen auch alle Ehre und war wirklich eiskalt. Nach maximal zwei Minuten waren wir wieder an Land und haben uns erstmal in der Sonne aufgewärmt und noch ein paar Klamotten gewaschen. Der weitere Verlauf des Weges führte uns wieder ins Gebirge und nach einigen mittleren Anstiegen wieder direkt ans Nordmeer. Vor beeindruckenden Ausblicken und malerischen Impressionen konnten wir uns auf diesem teil des Weges kaum retten und die Spiegelreflex war im Dauereinsatz. Unser Weg führte uns jetzt parallel zur Küste über Steile Klippen und breite Strände immer weiter in Richtung Norden. Irgendwann sahen wir wieder die ersten Menschen und wussten so in der Nähe der Strasse Richtung Ramberg sein zu müssen. Nach einem letzten recht anstrengenden Aufstieg vom Nordmeer weg, konnten wir irgendwann die Strasse auch schon sehen und verließen die Wildnis erstmal wieder. Die letzten Kilometer nach Ramberg wurden wir von zwei deutschen Touristen noch im Auto bis ins Stadtzentrum mitgenommen. In Ramberg suchten wir erstmal den Campingplatz auf und waren erneut begeistert von er schönen Lage des Platzes – direkt am weiten Sandstrand! Das Nordmeer zeigt sich hier absolut von seiner schönsten Seite: ein breiter schneeweisser Strand, türkises Wasser und hohe Wellen. Nur ein testen mit den Füssen brachte uns in die Realität zurück und zeigte uns, dass wir halt nur in der Karibik des Nordens waren und an Baden hier nicht wirklich zu denken ist.

Unser Zelt an einem kleinen Fjord.

Unser Zelt an einem kleinen Fjord.

Der nächste Tag verlief abgesehen von einer längeren Wanderung am Strand entlang und der Besteigung des Hausberges von Ramberg recht ereignislos, aber dafür umso entspannter. Am Abend habe wir auf dem Campingplatz eine Gruppe jugendlicher PfadfinderInnen aus Österreich getroffen, die im restlichen Verlauf der Reise fast jeden Tag wieder treffen sollten. Nachdem wir schnell mit ihnen ins Gespräch gekommen sind, stellte sich Raus das die Jugendlichen etwas fussfaul waren und aus der geplanten Trekkingtour eher eine Bustour  über die Campingplätze wurde. Nichts desto trotz waren es sehr lustige und nette Leute mit denen wir uns gerne unterhalten haben.

Am folgenden Tag haben wir uns vom Bus am Ende einer Strasse absetzen lassen um dann 5 km zu Fuss in Richtung der laut Reiseführer schönsten Strände Europas zu bewegen.  Die 5km Strasse zu laufen viel dann aber doch recht leicht, da es ein richtiger Sommertag wurde und in Haukland, laut Reiseführer, der schönste Strand Europas auf uns Warten sollte.

Der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen! Der Strand war einmalig schön: Feiner weisser Sand ohne den kleinsten Stein und eine Bucht voller türkisen Wasser. Ausser ein paar Norwegern war der Strand auch noch Menschenleer und wir wollten sofort ein Bad im Nordmeer wagen. Wie auch schon im Ramberg tat das Wasser schon an den Knöcheln sehr weh und der Drang es sich noch einmal anders zu überlegen stieg. Doch in Angesicht unserer durchgeschwitzten Körper und der brennenden Sonne warfen wir uns todesmutig in die Fluten. Es war einfach unbeschreiblich kalt!

Blick vom Hausberg von Ramberg.

Blick vom Hausberg von Ramberg. Wer den namen kennt bitte melden. Glaube es war "Knubben" oder so ähnlich.

Nach wenigen Minuten und wirklich erfrischt sind wir auch schon wieder aus dem Wasser raus und haben uns noch eine Weile am Strand gesonnt um dann weiter in Richtung Utakleiv, wo auch ein sehr schöner Strand sein soll. Der Weg dorthin ist auf jeden Fall schonmal super: ein geschlungener Pfad geht direkt an der Küste lang mit diversen schönen Ausblicken. Leider fängt es in Utakleiv tierisch an zu regnen und wir können die Schönheit des dortigen Strandes nicht wirklich beurteilen. Dafür sehen wir hier noch einen Seeotter ins Nordmeer springen.

Nachdem wir vor dem Regen in Richtung Leknes geflüchtet sind und dort mit dem Bus weiter wollten, hatte es uns erstmal in eine Pizzeria verschlagen. Nachdem wir für 2 Pizzen und 2 Getränke die ortsüblichen 40 Euro abgedrückt haben, fuhr dann auch schon der Bus in Richtung Rystad in der Nähe vom Wikingermuseum in Borg. Hier schlugen wir bei strömenden regen unser Zelt auf einer Campingwiese direkt an der E10 auf um am nächsten Tag unsere Wanderung fortzusetzen. Daraus wurde allerdings nichts, da am nächsten Morgen zum strömenden Regen noch dichter Nebel hinzu kam und wir keine Lust mehr auf Wandern hatten. Da ein hin und zurück zum 10km entfernten Wikingermuseum mit dem Bus nicht möglich war, beschlossen wir kurzerhand in Richtung Kabelvag zu fahren, da dort der wenigstens komfortabelste Campingplatz zu finden war.

Eine kleine Bucht am Nordpolarmeer.

Eine einsame kleine Bucht am Nordpolarmeer.

Kurz vor Kabelvag schlägt dann plötzlich das Wetter radikal um und wir erleben einen weiteren schönen Sommertag mit ausgiebigen Baden im gar nicht mal so kalten Vestfjord. Am nächsten Tag sollte es dann auf die letzte Wanderung unseres Lofoten-Aufentalts gehen. Wir beschlieߟen ohne Gepäck eine Wanderung auf den höchsten Berg der Insel zu machen. Bei bestem Sommerwetter geht es nach ein paar Metern steil bergauf in eine wirklich schöne Berglandschaft. Begleitung leisten uns dabei zwei der schon in Ramberg getroffenen PfadfinderInnen nebst deren Betreuer. Nachdem wir zu Anfang noch gut in der Zeit lagen und und sogar einen kleinen Gipfel – mit super Aussicht über den Vestfjord – bestiegen haben, verzetteln wir uns in den kommenden Stunden mehr und mehr. Mal verlieren wir den eh nur Zentimeter breiten Pfad und gehen querfeldein immer Richtung Gipfel und mal ist es ein winziger Tümpel dessen warmes Wasser wir beim Baden genießen. Am frühen Nachmittag (wir wollten ansich im Laufe des Nachmittags zurück sein) wird es dann merklich steiler und die Vegetation geht spürbar zurück. Wir kommen dem Gipfel näher und unsere kleine Gruppe zerfällt in ihre Einzelteile. Nach einer Stunde erreiche ich ein großes Restschneefeld das eher wie ein Gletscher anmutet. Da ich sowieso eine Erfrischung brauche nutze ich die Zeit um etwas Schnee in meine Trinkflasche zu füllen und auf die anderen zu warten. Gemeinsam geht es dann durch ein Geröllfeld auf die letzten hundert Höhenmeter. Diese sind so steil, dass mir, obwohl ich mich für absolut Schwindelfrei halte, mindestens etwas mulmig bei umdrehen und runterschauen wird. Dieses Gefühl steigerte sich noch etwas als ich einen Grat erreiche auf dem wir ein paar Meter lang laufen müssen um dann den letzten Buckel zu nehmen. mit beiden Händen ziehe ich mich auf den Grad hoch und mir stockt regelrecht der Atem als ich sehe, dass der Grad maximal 50 Zentimeter breit st und es auf der anderen Seite senkrecht wieder runter geht. Also ist es mehr ein auf den Grat Rollen, als ein elegantes Hochziehen. An dieser stelle ist es so steil und unwegsam, dass einer der PfadfinderInnen 20 Höhenmeter vor dem Gipfel noch laut übers Aufgeben nachdenkt. Nachdem dieser Gedanke dann doch verworfen wurde, stehen wir 5 Minuten später zu fünft auf dem Gipfel und finden sogar eine Art umgestürztes Gipfelkreuz. Die Aussicht und die Gewissheit es endlich geschafft zu haben rauben uns fast dem Atem und wir starren ehrfürchtig in alle Richtungen auf die Dutzenden anderen Gipfel hinunter. Als dann noch ein riesiger Seeadler einsam seine Kreise über unseren Köpfen zieht sind wir endgültig der Magie dieses Ortes verfallen und können uns kaum losreissen. Irgendwann siegte jedoch die Vernunft (wir standen dort mindestens eine halbe Stunde mit kurzen Klamotten im Wind) und wir machen uns an den Abstieg. Auf dem Restschneefeld machen wir noch eine Richtige Essenspause. Zum Nachtisch gibt es die eh schon recht leckere Globetrotter Karamellchreme in der Eisversion mit Schnee anstatt Wasser zubereitet – Köstlich!

Die Pfadfinder beim Schnee "ernten".

Die Pfadfinder beim Schnee "ernten".

Die letzte Phase des Abstiegs gerät dann zur Geduldsprobe da wir einfach keinen vernünftigen Pfad finden und ständig vor großen Felsspalten stehend umkehren müssen um einen erneuten Bogen zu schlagen. Irgendwann finden wir dann einen Weg in Tal, der aber anscheinend seit Jahren nicht mehr benutzt wurde, zumindest ist er komplett von Gestrüpp und Bäumen überwuchert. Wir fühlen uns wie im Djungelcamp: Durchgeschwitzt und in kurzen Sachen bahnen wir uns unseren Weg in der prallen Sonne durch meterhohe Dornen auf sumpfigem Untergrund. Gegen 19.00 Uhr erreichen wir sichtlich erschöpft den Campingplatz und genehmigen uns noch ein kühles Bad im Vestfjord bevor wir nach dem Essen unseren letzten Abend auf den Lofoten verbringen.

Diese beschenken uns noch mit einem halbstündigen Sonnenuntergang der Extraklasse. Der Himmel ist in alle erdenklichen Rot- und Lilatöne getaucht vor denen sich die Berge als schwarze Schattenrisse abzeichnen. Nach einer halben Stunde ist der Spass jedoch vorbei und die Sonne beginnt wieder aufzugehen. Wir steigen zufrieden in unser Zelt und Reisen am nächsten Morgen zusammen mit der Pfadfindergruppe ab. Nach einem kurzen Stopp in Svolvaer fahren wir mit dem Bus nach Narvik und von dort mit dem Zug nach Stockholm und weiter nach Malmö. Hier verbringen wir noch drei schöne Tage am Strand von Löderup und fahren dann mit der Fähre über Rostock zurück nach Deutschland und stürzen uns zurück in Berlin gleich in das Chaos das uns die Berliner S-Bahn während unserer Reise beschert hatte.

Nachwort

Sonnenuntergang auf den Lofoten. Aufgenommen in Kabelvag.

Sonnenuntergang auf den Lofoten. Aufgenommen in Kabelvag.

Die Lofoten sind ein einmaliges Stück Natur im Norden Europas und wir haben jeden tag voll und ganz genossen. Trotzdem ist auf der Reise nicht alles so gelaufen wie wir es uns vorgestellt hatten. Daher möchte ich hier noch ein paar Tipps für Individualreisen und Trekkingtouren auf die Lofoten geben. Über Feedback und eigene Erfahrungen würde ich mich natürlich sehr freuen.

  • Fortbewegung: Auf den Lofoten gibt es keine Durchgängige Wanderinfrastruktur und wegen der schroffen Landschaft ist ein Querfeldein-Laufen nicht möglich – Auch nicht führ erfahrene Trekker. Man sollte daher einkalkulieren öfters den Bus zu nutzen um vom ende einer Tour zum Anfang der nächsten zu kommen. hierfür besorgt man sich am besten einen Fahrplan in der Touriinfo in Svolvaer. Das Busnetz ist zwar Recht dicht aber die meisten Busse fahren nur 1-2 mal am Tag und in der Hauptsaison (Schulferien) oft nur dreimal pro Woche. Am besten ist man auf den Lofoten immer noch mit einem Auto unterwegs!
  • Touren: Eine Durchgängige Trekkingtour über mehr als 4-5 Tage ist auf den Lofoten aufgrund der Schroffen Landschaft und mangels Wanderinfrastruktur kaum möglich. Es macht daher durchaus Sinn schon vorher ein paar Highlights die man unbedingt sehen will zu recherchieren und dann kürzere (1-3 Tage) Touren zu planen die diese Punkte enthalten. Besonders für die Planung zu empfehlen ist der Laden Reine-Adventures in Reine. Die Leute hier haben sehr viel Ahnung und kennen jeden Winkel der Inseln. Die Bilder an den Wändenr zeugen ausserdem davon, dass sie auch überall schon zu Fuss waren und daher wirklich wissen wovon sie reden. Mein Tipp wäre daher, gleich mit dem Bus bis Reine durchzufahren und dort die Tour von Süden nach Norden zu planen.
  • Wild Campen: Auf den Lofoten ist es wegen des extrem felsigen Untergrundes an sehr vielen Stellen nicht möglich ein Zelt aufzubauen. Daher empfiehlt es sich rechtzeitig vor dem geplanten Etappenziel nach einem geeigneten Platz umzuschauen! Viele Plätze die Windgeschützt und eben genug sind, sind nur mit einer dicken Moosschicht überzogen unter der der blanke Fels liegt. Da hier das Nutzen von Heringen nur schwer möglich ist, bietet ein Geodät große Vorteile. Ansonsten kann ich wärmstens die Campingplätze von Ramberg und Kabelvag empfehlen. Sie sind preiswert und haben eine wunderschöne Lage. Ausserdem trifft man andere Trekker und kann sich mit weiteren tipps und lohnenden Zielen versorgen.
  • Ausrüstung: Besondere Ausrüstung wird nicht benötigt. Lediglich ein besonderes Augenmerk auf winddichte Kleidung sollte gelegt werden, da dauerhafter Westwind empfindlich kalt sein kann. In Svolvaer gibt es einen gut sortierten Outdoorladen in dem man jedes Ausrüstungsteil und Verpflegung nachkaufen kann.

Hier noch für Interessierte meine kommentierte Packliste:

  • Rucksack: GoLite Pinnacle (hat funktioniert, ein schwererer Rucksack mit besserem Komfort wäre aber angenehmer gewesen!)
  • Schlafsack: Yeti Fenrir 600 (Hab ihn keine Nacht zu gehabt, war aber gut etwas Reserve zu haben)
  • Zelt: TerraNova Laserlarge (Leicht und geräumig, leider lausig verarbeitet – hat aber gehalten)
  • Isomatte: Therm-A-Rest NeoAir (Die perfekte Matte: Leicht, minimales Packmaß und sau bequem)
  • Softshell: Northface Apex (Sehr leicht und recht winddicht, hatte ich immer an wenns nicht zu warm war)
  • Hardshell: Northface Stratosphere (Nicht ganz so leicht, dafür aber 100% dicht. War sehr zufrieden mit dem Teil!)
  • Fleecejacke: Northface TKA 100
  • Trekkinghose: Fjäll Raven Karl Zip (Keine Klagen, Zip Funktion oft genutzt)
  • Tshirts: 2 x Merino (Hatte immer eins von den beiden an. Stinken nicht!
  • Boxershorts: 2 x Merino (Bestens zufrieden)
  • Regenhose: Rei (Leicht, dicht, Atmungsaktivität war ok, aber nicht so gut wie bei der Jacke)
  • Socken: 1x northface, 1x X-Socks, 1x Meindl (Die Meindl waren mit Abstand die besten, von den teuren XSocks war ich enttäuscht)
  • Schuhe: Meindl Vakuum MFS GTX (Hab nie drin gesschwitzt und waren absolut dicht – was will man mehr?)
  • Latschen: Teva Flip-Flops (Flip-Flops halt. Leicht und bequem.)
  • Leichte Mütze und Handschuhe (Beides nie getragen, war für den Kebnekaise geplant
  • Kocher: Primus Micron nebst dem neuen Primus Windschutz (sehr leicht, ansonsten halt ein Kocher)
  • Geschirr: Berghaferl, Spork, Trangia Topf (minimalistisch aber hat gereicht)
  • Messer: Kleines Opinel (nie gebraucht. Verstehe nicht das Gewese was manchmal über Messer gemacht wird)
  • GPS: Garmin extrex Vista hcx
  • Kamera: Canon EOS 40d nebst 10-20mm Weitwinkel (Ein Akku hat mit 1200 Bildern die ganze Tour gehalten!)
  • Nahrung: Müsli und Real-Turmat für 7 Tage, dazu Müsliriegel und Kekse (Hat mehr als gereicht)

Ausdrücklich nicht dabei hatte ich: lange Unterhose, langes Merino oder ähnliches, sowie eine Unterlage für das Zelt.

Bei weiteren Fragen oder Hinweisen einfach einen Kommentar hinterlassen.

4 Kommentare zu „Reisebericht Lofoten ’09“

  • Birte sagt:

    Hej! Mein Freund und ich planen eine Trekking-Tour auf den Lofoten im kommenden Juni. Wann genau ward ihr denn dort letztes Jahr? Interessanter Bericht, hat mir gut gefallen!

    Ha det bra, Birte

  • admin sagt:

    Hallo,

    wir waren vom 18.7.-28.7. dort oben. Jahreszeit war perfekt und MItternachtssonne gab es auch noch. Wenn Ihr weitere fragen habt – nur zu…

    Grüße,
    Heiko

  • H.Jakob sagt:

    Guten Tag
    Danke für den interessanten Bericht.
    Eine Frage habe ich noch.
    Ist es auf den lofoten erlaubt wild zu Zelteln?
    Kann auch frei geangelt werden?
    Besten Grüsse
    Hanspeter

  • admin sagt:

    Zelten ist gemäß des Jedermannsrecht erlaubt. Zum Angeln braucht man wahrscheinlich Erlaubniskarten. Im Meer müsste es frei sein.

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